Schmid Otreba Seitz Werbeagentur Mannheim

Lesenswerter Mosaikstein der Stadtteil-Geschichte

04.12.2010 - Mannheimer Morgen

Es gibt zum Glück Vereine und Institutionen, die sich – stolz auf ihre Geschichte – zu einem bedeutenden Jubiläum eine Chronik leisten.

Sie steuern damit einen wichtigen Beitrag für die künftige Geschichtsforschung bei, vor allem aber zur Identitätsfestigung der Mitglieder als Teil einer bedeutenden Gemeinschaft. Ein ausgezeichnetes Beispiel ist das rund 120 Seiten umfassende Buch, das sich die Mannheimer Rudergesellschaft Rheinau von 1909 e.V. zum Jubiläum seines 100-jährigen Bestehens leistete.
Eine glückliche Hand bewiesen die Ruderer bei der Wahl der Verfasserin ihres Festbuchs: Die promovierte Historikerin Dr. Karin Urich beweist als Redakteurin des „Mannheimer Morgen“ in lokalen Ressorts einen geschärften Blick für kleinräumige Geschichte, die sie in regionale Zeitabläufe einzubetten weiß. Und sie zeigt, das es vor allem die Menschen sind, die Geschichte machen. Ihnen, den Sportlern, der Funktionären und den Unterstützern sind etliche Kapitel gewidmet. So kann der Leser die Entwicklung des Vereins in enger Verbindung mit der industriellen Entwicklung des Vororts Rheinau nachvollziehen. Neue Produktionsstätten, vor allem Chemie, ziehen Arbeiter, Angestellte und Forscher an. Sie siedeln mit ihren Familien in der Nachbarschaft der Fabriken. In ihrer Freizeit suchen sie Ausgleich zu der Tätigkeit am Arbeitsplatz, schließen sie sich zusammen und gründen Gesangs-, Wander- und Sportvereine.
Es lag nahe in der Nachbarschaft des Rheins und des Rheinauhafens, eine Rudergesellschaft zu gründen. Der Zusammenhang zwischen Industrieansiedlung, die Lage am Fluss und dem damit aufblühenden Leben im wachsenden Stadtteil sowie im Verein tritt bei der Lektüre des Buches deutlich zum Vorschein. Genau das trägt zum Verständnis der Geschichte der Rudergesellschaft bei, an der auch nationale und internationale Ereignisse – wie die zwei Weltkriege und der Wiederanfang im zerstörten Deutschland nicht spurlos vorbei gingen.
Interessant sind die Kapitel, die den Menschen gewidmet sind, die sich in der Rudergesellschaft besonders engagiert haben oder noch engagieren. Der Leser erfährt nicht nur die Lebensgeschichte etwa der Ehrenmitglieder wie Philipp Genazino oder Helmut Schmitt („Schmitt-Waage“). Die Mitglieder kommen vielfach selbst mit ihren persönlichen Erinnerungen zu Wort: mal ausführlicher, mal in Splittern.
Ergänzt wird die Schrift mit zahlreichen Tabellen, die die sportlichen Erfolge genauso dokumentieren wie die Vorsitzenden seit der Gründung, die Wanderfahrten, die geruderten Kilometer und die unterschiedlichen Boote. Zu guter Letzt kommt der aktuelle Vorsitzende in einem Interview zum Thema „Rudersport früher und heute“ zu Wort: eine interessante Reflexion. Das reich bebilderte Buch stellt einen wichtigen und lesenswerten Mosaikstein der Rheinauer Geschichte dar. Jan Cerny

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